Seminar: Einführung in die Europäische Kampfkunst

Motto der Kampfkunst: Dein Schwert sei dir ein Schild

Tief verwurzelt in der Europäischen Kultur liegt eine uralte Kampfkunst. Aufrechte Haltung, wertvolle Tugenden, gesunde Lebensführung, aber auch beinharte Selbstverteidigung sind in edlen Handschriften überliefert. In dem Kurs erfahren wir, wie wir uns selbst und die Welt mit ihren Menschen richtig wahrnehmen können. Wir stärkenden Körper und lernen, uns in Konflikten zu behaupten. Dabei üben wir den waffenlosen Kampf und den Umgang mit Dolch und auch Schwert.  Die Kursteilnehmer erhalten eine Broschüre mit wissenswertem Hintergrund und Übungen.

Hinweis: dieser Kurs wird in Kooperation mit Volkshochschulen angeboten.

Übungsgeräte werden soweit notwendig gestellt. Nach Absprache mit dem Kursleiter können eigene verwendet werden. Schutzkleidung ist nicht notwendig. Turnkleidung für die Halle ist ausreichend.

Kurslänge: 16 Einheiten (45 Minuten) in 8 Doppelstunden.

Termine

VHS Bad Homburg
Wochenendtermin in Bad Homburg
15, und 16, Juni 2019

Details zum Kurs

Die Europäische Kampfkunst weist auf eine ununterbrochene Tradition von mehreren tausend Jahren hin. Vor 700 Jahren verfasste ein Mönch ein Buch über das Fechten mit Schild und Schwert. Diesem Buch sollten in den folgenden Jahrhunderten noch viele weitere Handschriften und Drucke folgen. Sie enthalten die Grundlagen für ein Allkampfsystem, das tief in der Kultur Europas eingebettet war. Von der Anleitung zum gesunden Leben und Ernähren bis hin zum Überleben im bewaffneten Kampf berichten uns diese Bücher.

Der Kurs „Einführung in die Europäische Kampfkunst“ bezieht sich direkt auf die schriftlichen Zeugnisse der Vergangenheit. Der Kurs besteht aus körperlichen Übungen, sowie Kurzvorträgen (5-10 Minuten) zum besseren Verständnis und zur Weiterbildung. Den Teilnehmern wird eine Broschüre zur Verfügung gestellt, mit Übungen und detailliertem Hintergrundwissen.

Aufrechte Haltung

Ein „gerader und gesunder Leib“ sei zugleich Ziel wie auch Voraussetzung, teilen uns die alten Handschriften mit. Der Kreislauf, dass ein gesunder Mensch Spaß an der Bewegung hat und dabei gesund bleibt, während ein kranker, schwacher Mensch keine Freude am Bewegen hat und daher nicht an der Bewegung gesunden kann, ist eine uralte Weisheit. Die mittelalterliche Fechtkunst stärkt den Körper besonders die Rumpfmuskulatur, benötigt aber auch einen kräftigen Körper mit guter Stützmuskulatur. Daher weisen Handschriften und Bebilderungen schon Übungen für das Kinderalter auf, die in der Fechtliteratur spezialisiert wurden.

Wertvolle Tugenden

Meister der italienischen Kampfkunst, Fiore de LiberiDer italienische Fechtmeister Fiore de Liberi nennt uns die Kampftugenden Klugheit, Geschwindigkeit, Tapferkeit und Stärke. Doch mit Kampftugenden allein ist kein Kampf gewonnen. Mit der Anordnung, Gott zu lieben und die Frauen zu ehren, beginnt Johannes Liechtenauer die berühmteste Anleitung zum Fechten. Ein Fechter soll die Tugenden Tapferkeit, Raschheit, Umsichtigkeit, Listigkeit, Klugheit, Vernunft, Verschwiegenheit, Ehre, Bescheidenheit, Eleganz, guter Mut, Beständigkeit besitzen und vor und von Allem das wahre Maß halten.

Diese Tugenden sollen uns Menschen anleiten, ein gutes Leben zu führen und somit frei von Schlechtigkeit und mit klaren Geist, den Kampf und das Leben zu bestehen. Wie wichtig eine gute Lebensführung im Einklang mit den Tugenden ist, wird in den Handschriften deutlich hervorgehoben.

Gesunde Lebensführung

Wer sich seelisch und körperlich auf einen Kampf vorbereiten will oder muss, soll

  • Jeden Tag früh aufstehen
  • sich in Kontemplation üben (eine Messe hören)
  • eine Schnitte Johannisbrot essen (Gluten-frei, fettarm, relativ viele Mineralstoffe vor allem Eisen,  reich an B-Vitaminen sowie Vitamin A)
  • zwei Stunden an sich arbeiten (Training)
  • warm essen aber nichts Feistes (keine Süßspeisen, wenig Fleisch und kein Fett)
  • zwei Stunden an sich arbeiten (Training)
  • zu Abendessen Roggenbrot aus Quellwasser gebacken (hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren, Kalzium, Magnesium, Vitamine A und C)
  • Früh schlafen gehen

Diese Anleitung des Fechtmeisters Hans Talhoffer aus dem 15. Jahrhundert könnte jeder Sportwissenschaftler unterschreiben. Das Wissen, was den Mensch gesund hält, war bereits Mittelalter bekannt. Tausende Jahre empirische Forschung und Tradierung erzeugten gleichartige Ergebnisse wie die Moderne Wissenschaft. Zwar sind die Ansichten über die Wirkursachen sehr verschieden, doch über das positive Ergebnis gibt es zwischen Mittelalter und Moderne kaum Uneinigkeit.

Mittelalterliche Hausbücher sind voller Rezepte und Anleitungen zur gesunden Lebensführung und Ernährung. Wir sind gerade dabei diese wieder zu entdecken. Die aktuelle Erfolgsgeschichte des Dinkelgetreides, das in den Büchern der Hildegard von Bingen im 11. Jahrhundert eine zentrale Rolle spielt, ist beispielhaft für die Lehren für gesünderes Leben, die wir aus mittelalterlichen Handschriften ziehen können.

Sich selbst und die Welt mit ihren Menschen wahrnehmen

Echtes Selbstbewusstsein bedeutet, bewusst zu erkennen, wozu der eigene Geist und Körper in der Lage ist – oder auch nicht. Wer im Kampf sich oder den Gegner falsch einschätzt, wird nicht bestehen. Die Autoren der Fechtbücher warnen vor falscher Angst, Tollkühnheit, Selbstüberschätzung und Irreführung. Die Lehre des mittelalterlichen Fechtmeisters Johannes Liechtenauer basiert auf dem Wort “Fühlen”. Nur was erfahrbar ist, ist wahrhaft. Aus dem Fühlen entsteht das Mitgefühl, aus dem Mitfühlen der Respekt. Ein Fechter muss dem Gegenüber mit Respekt begegnen, sonst ist er selber verloren. Er oder sie muss erkennen lernen, wie der Gegenüber „drauf ist“, um die eigenen Risiken zu minimieren.

Selbstverteidigung und sich im Konflikt behaupten

Gewalt begegnet uns im Alltag und glücklicher Weise hat sie heutzutage nicht mehr die konkrete Ausprägung, dass eine scharfe und spitze Klinge uns mit Schmerz und Tod bedroht. Wollen wir Fechten erlernen müssen wir sachlich mit Gewalt umgehen. Wir müssen sie erkennen, den damit verbundenen Stress “entlernen”, und uns gegen sie verteidigen. Es ist bezeichnend, dass fast alle Fechtstücke und Techniken der Handschriften von einem Verteidigungsfall ausgehen. Die mittelalterliche Kampfkunst wird uns nicht direkt helfen, uns gegen Taschenräuber oder Mobbing zu verteidigen. Sie lehrt uns Prinzipien der Kampfkunst, die unser Körper in entsprechender Notsituation verwenden wird. Der sachliche Umgang mit der Gewalt wird helfen, diese auch sachlich im Alltag zu betrachten. Salopp gesprochen: wer entspannt einem Schlag mit einem Stahlschwert entgegen sehen kann, den wird so schnell nichts erschüttern.

Die waffenlose Kampfkunst und der Umgang mit Dolch und Schwert

Die überlieferten Handbücher versorgen uns mit sprichwörtlich Tausenden von Fechtstücken mit allerlei Wehren (vom Dolch bis hin zur 5 Meter langen Pike) und unbewaffnet. Kaum ein modernes Werk hat die Kampfkunst so umfassend dokumentiert wie die mittelalterlichen Autoren. In dem Kurs werden die Grundlagen gelehrt und exemplarische Stücke geübt, welche die Prinzipien verdeutlichen. Dabei werden die alten Handschriften betrachtet, so dass der Teilnehmer sich selbst mit den Werken beschäftigen kann.





Verbindliche Anmeldung zum VHS Einführungskurs

Die Buchung wird durch die Bestätigung der jeweiligen VHS gültig.

 

Die Broschüre zu dem Lehrgang als Download

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