Gliederung des Unterrichts

Die Planetenkinder und die freien Künste 1560

Eine Unterichtsblock besteht generell aus zweimal 45 Minuten. Die Einheiten dienen ausschließlich der Fortbildung in der Historischen Fechtkunst.

Aufwärmen

Eine unspezifische Aufwärmphase mit allgemeinen gymnastischen Übungen halten wir für wenig zielführend. Aus dem Yoga und der vergleichbaren Bewegungskultur können Übungen im Aufwärmen vermittelt werden, die auch außerhalb der Fechtschule geübt werden sollten. Diese mobilisieren und stärken den Körper nicht nur für das Fechten.

Abläufe und Formen

Die Fechtbücher beschreiben eine Vielzahl von Bewegungsabläufen mit und ohne Wehr, die sich in Ruhe und Gelassenheit durchführen lassen. Diese Abläufe (über einen längeren Zeitraum in Repetition ausgeübt) mobilisieren nicht nur den vom Alltag versteiften Körper, sie beruhigen das Gemüt und steigern das Verständnis der Fechtbewegungen. Ein herausragendes Beispiel sind die Liegnitzers Schwert & Buckler Formen. Die explizitesten Vertreter dieser Art sind Joachim Meyers Hiebübungen mit dem Dussak. Einfache Bewegungsabläufe sollten grundsätzlich im Wechsel mit beiden Armen geübt werden. Ein Linkshänder übe auch rechts und umgekehrt. Dies erleichtert das Lernen und bringt den Körper in Balance.

Kondition, Kraft und Haltung

Kondition und Kraft entsteht durch die Übung der Fechtkunst in spezifischer Weise. Für die allgemeine Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit und Gesundheit sind ausreichend kommerzielle und freie Angebote verfügbar.

Für besondere Anforderungen und zur Verbesserung von Haltungsproblemen, die verstärkt im Fechten sichtbar werden, geben wir individuelle Anregungen für Übungen zu Hause. Haltungsfehler sind durch die Arbeitswelt so häufig, dass wir Bewegungsübungen aus den Fechtquellen angepasst haben, um hier Besserung zu erzielen. In schweren Fällen empfehlen wir immer den Besuch von Fachärzten.

Eine gute körperliche Belastbarkeit durch zusätzlichen Kraft- und Ausdauersport wird den Fortschritt im Fechten beschleunigen.

Übungsinhalte

Fechten ist die Überbrückung von Distanzen. Aus einer Entfernung nähern sich die Kontrahenten bis es zu einer Berührung kommt. In den Fechtbüchern wird unbewaffnet und mit jeder einzelnen Waffe das „Zufechten“ und „Nahen“ immer wieder geübt. Dabei wird die Frage beantwortet, wie man die Bedrohungssituation durch den Gegner entschärft. Dies geschieht durch Zuvorkommen, Ausweichen und Schützen in jeder nur denkbaren Kombination.

Die Prinzipien werden in den Übungen der Fechtbücher betont und immer wieder geübt. Betrachtet man aber jede Übung der alten Meister als einzelne Technik, so übt man falsch. Daher liegt unser Übungsansatz in der Vermittlung der Prinzipien. Dafür verwenden wir exakt in der vorgesehenen Reihenfolge die Übungen der Fechtbücher.

Wir regen an, die Reichweiten regelmäßig zu ändern oder parallel zu üben. Die Fechtlehrer der Vergangenheit haben zwar in jede Lehre auch ein Wechsel der Reichweiten eingefügt (im Langen Schwert beispielsweise das Halbschwert und das Ringen), doch werden die Prinzipien besser verinnerlicht, wenn man mehrere Reichweiten übt wie Langes Schwert, Langes Messer und Ringen.

Beweglichkeit und Entlastung

Jeder Unterrichtsblock wird durch einfache Dehnungsübungen abgeschlossen. Dabei werden die Übungsinhalte angesprochen, oder über irgendwas anderes entspannt geredet. Ziel ist die Entlastung und Entspannung der Muskulatur und des Geistes nach dem Training. Die gelassene Unterhaltung unterstützt die Entspannung. Es darf und soll gelacht werden.

5883 Views